Die Netiquette
Dieser Artikel soll Ihnen helfen,
die Sitten und Gebräuche, die sich mit der Zeit in den "ch.*"-Newsgruppen
eingebürgert haben, kennenzulernen, und Ihnen über die wichtigsten Stolpersteine
hinwegzuhelfen.
Es folgen einige Tips,
wie man das Netz effizient und auch höflich zu aller Zufriedenheit benutzen
kann (und sollte):
1. Vergiss niemals, dass
auf der anderen Seite ein Mensch sitzt!
Die meisten Leute denken in
dem Augenblick, wo sie ihre Artikel und Mails verfassen, leider nicht daran, dass
die Nachrichten nicht ausschliesslich von Computern gelesen werden, sondern auch
von (anderen?) Lebewesen, in erster Linie von Menschen.
Je nach Distribution kann
Ihre Nachricht von Leuten z. B. in der ganzen Schweiz, Östereich und Deutschland gelesen
werden. Denken Sie stets daran und lassen Sie sich nicht zu verbalen Ausbrüchen
hinreissen. Bedenken Sie: Je ausfallender und unhöflicher Sie sich gebärden,
desto weniger Leute sind bereit, Ihnen zu helfen, wenn Sie einmal etwas brauchen.
Eine einfache Faustregel:
Schreibe nie etwas, was Du dem Adressaten nicht auch vor anderen Leuten ins
Gesicht sagen würdest.
2. Erst lesen, dann denken,
dann nochmal lesen, dann nochmal denken und dann erst posten!
Die Gefahr von Missverständnissen
ist bei einem geschriebenen, computerisierten Medium besonders hoch. Vergewissern
Sie sich mehrmals, dass der Autor des Artikels, auf den Sie antworten wollen,
auch das gemeint hat, was Sie denken. Insbesondere sollten Sie darauf achten,
ob nicht vielleicht Sarkasmus oder eine ähnliche Abart des Humors :-) benutzt
wurde, ohne ihn mit dem Smiley-Symbol ":-)" zu kennzeichnen.
3. Fasse Dich kurz!
Niemand liest gerne Artikel,
die mehr als 50 Zeilen lang sind. Denken Sie daran, wenn Sie Artikel verfassen.
Nebenbei: Es empfiehlt sich, die Länge der eigenen Zeilen unter etwa 70 Zeichen
zu halten.
4. Deine Artikel sprechen
für Dich. Sei stolz auf sie!
Die meisten Leute auf dem Netz
kennen und beurteilen Sie nur über das, was Sie in Artikeln oder Mails schreiben.
Versuchen Sie daher, Ihre Artikel leicht verständlich und möglichst
ohne Rechtschreibfehler zu verfassen.
Ein Duden neben dem Rechner
mag manchem als Übertreibung erscheinen; in Anbetracht der Tatsache, dass
viele Leser den Autor eines vor Fehlern beinahe unleserlichen Artikels für
einen (um es ganz deutlich zu sagen) Vollidioten halten, ist diese Investition
vielleicht nicht ganz verfehlt.
Bedenken Sie, dass ihr
Anliegen nicht rüberkommt, wenn es nicht einmal den elementaren Anforderungen
an Stil, Form und Niveau genügt.
Bedenken Sie bitte auch:
Vielleicht lesen Ihre zukünftigen Kollegen oder Ihr zukünftiger Chef
mit. Vorurteile bilden sich leicht.
5. Nimm Dir Zeit, wenn
Du einen Artikel schreibst!
Einige Leute denken, es würde
ausreichen, einen Artikel in zwei Minuten in den Rechner zu hacken. Besonders
im Hinblick auf die vorangegangenen Punkte ist das aber kaum möglich. Sie
sollten sich Zeit nehmen, um einen Artikel zu verfassen, der auch Ihren Ansprüchen
genügt.
6. Vernachlässige
nicht die Aufmachung Deines Artikels!
Es ist natürlich nicht
zwingend, einen Schreibmaschinenkurs mitgemacht zu haben, jedoch ist es ratsam,
sich mit den wichtigsten der "Regeln für Maschinenschreiben" (z. B. DIN 5008)
vertraut zu machen.
Darüberhinaus sollten
Punkte und Kommas selbstverständlich sein; durch Gross- und Kleinschreibung
wird der Text leserlicher. Absätze lockern den Text auf, wenn sie alle
paar Zeilen eingeschoben werden.
7. Achte auf die "Subject:"-Zeile!
Wenn Sie einen Artikel verfassen,
achten Sie bitte besonders auf den Inhalt der "Subject:"-Zeile. Hier sollte in
kurzen Worten (möglichst unter 40 Zeichen) der Inhalt des Artikels beschrieben
werden, so dass ein Leser entscheiden kann, ob er von Interesse für ihn ist
oder nicht.
In länger dauernden
Diskussionen kann es passieren, dass das Thema, über das debattiert wird,
vom ursprünglichen "Subject" abweicht. Bitte ändern Sie die "Subject:"-Zeile
entsprechend ab. Eine gute Angewohnheit ist es, wenn Sie den alten Titel zusätzlich
noch angeben; bei Followups auf solche Artikel sollte der alte Titel aber entfernt
werden. Ein Beispiel:
Nach dem Drücken von
"F" im Newsreader (meist "nn" oder "rn") werden Sie mit
Subject: Re: Kohlrabi im Vorgarten
konfrontiert. Die Diskussion
ist aber längst auf das Thema "Erbsen im Treibhaus" abgeschweift. Also ändern
Sie wie folgt:
Subject: Erbsen im Treibhaus (war: Re: Kohlrabi im Vorgarten)
Sollte die "Subject:"-Zeile
nun länger als 80 Zeichen werden, so ist es sicher nicht schlecht, den alten
Titel abzukürzen.
Followups auf Ihren neuen
Artikel sollten nur noch den Titel
Subject: Re: Erbsen im Treibhaus
erhalten.
8. Denke an die Leserschaft!
Überlegen Sie sich vor
dem Posten eines Artikels oder Followups, welche Leute Sie mit Ihrer Nachricht
erreichen wollen. Ein Artikel mit dem Titel "Fernseher Bj. 1972 an Selbstabholer"
ist in einer regionalen Newsgruppe sicher wesentlich besser aufgehoben als in
einer weltweit lesbaren "ch.*"- Gruppe.
Wählen Sie die Gruppe
(oder Gruppen), in die Sie schreiben, sorgfältig aus. Posten Sie, wenn
irgend möglich, nur in EINE Gruppe. Ein "Crossposting" eines Artikels in
mehrere, womöglich inhaltlich verwandte Gruppen ist nicht empfehlenswert.
Wenn Sie dennoch ein Crossposting (durch Angabe mehrerer Gruppennamen in der
"Newsgroups:"-Zeile) in die Welt setzen, lenken Sie bitte darauffolgende Postings
mit Hilfe der "Followup-To:"-Zeile in eine Gruppe.
9. Vorsicht mit Humor und
Sarkasmus!
Achten Sie darauf, dass Sie
Ihre sarkastisch gemeinten Bemerkungen so kennzeichnen, dass keine Missverständnisse
provoziert werden. Bedenken Sie: In einem schriftlichen Medium kommt nur sehr
wenig von Ihrer Mimik und Gestik rüber, die Sie bei persönlichen Gesprächen
benützen würden.
Im Netz gibt es für
diesen Zweck eine ganze Reihe von Symbolen; die gebräuchlichsten sind ":-)"
und ":-(". Wenn Ihnen nicht sofort auffällt, was diese Symbole bedeuten
sollen, legen Sie den Kopf doch einfach auf die linke Schulter und schauen Sie
nochmal... :-)
10. Kürze den Text,
auf den Du Dich beziehst, auf das notwendige Minimum!
> Es ist eine gute Angewohnheit,
Texte, auf die man sich bezieht, wörtlich
> zu zitieren. Wenn Sie einen Followup-Artikel schreiben, wird Ihnen der
> gesamte Text, auf den Sie sich beziehen, von Ihrem Newsreader-Programm
> zum Bearbeiten angeboten. Der Originaltext wird dabei im Allgemeinen
> durch das Zeichen '>' eingerückt (ähnlich wie dieser Absatz), um
klar
> ersichtlich zu machen, dass es sich dabei um zitierten Text handelt.
Machen Sie es sich zur
Angewohnheit, nur gerade so viel Originaltext stehen zu lassen, dass dem Leser
der Zusammenhang nicht verlorengeht. Das ist a) wesentlich leichter zu lesen
und zu verstehen und b) keine Verschwendung von Resourcen.
Lassen Sie den Originaltext
aber auch nicht ganz weg! Der Leser Ihres Artikels hat den Artikel, auf den
Sie sich beziehen, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr exakt in Erinnerung
und hat ohne weitere Anhaltspunkte grosse Mühe, den Sinn Ihrer Ausführungen
zu erkennen.
ACHTUNG: Auch die UNTERSCHRIFT
oder die SIGNATURE der Originalnachricht sollte nur dann zitiert werden, wenn
darauf auch inhaltlich Bezug genommen wird. Wie die ebenso lästige DOPPELSIGNATURE
ist dies ein FEHLER, den der Betreffende selbst oft nicht bemerkt. Ein persönlicher
Hinweis (bitte nur als MAIL!) kann in beiden Fällen nicht schaden.
11. Benutze Mail, wo immer
es geht!
Wenn Sie dem Autor eines Artikels
etwas mitteilen wollen, überlegen Sie sich bitte genau, ob dafür nicht
eine simple Mail ausreicht.
Ein Beispiel: Spätestens
dann, wenn hitzige Diskussionen schliesslich in wüste Beschimpfungsorgien
ausarten, ist der Zeitpunkt gekommen, an dem die Diskussion niemanden ausser
den Streithähnen interessiert.
Generell gilt: Wenn Sie
etwas mitteilen wollen, das auch viele andere Leute interessieren könnte,
benutzen Sie die News. Anderenfalls ist eine Mail sicherlich ausreichend.
12. Gib eine Sammlung Deiner
Erkenntnisse ans Netz weiter!
Wenn Sie eine Frage an die
Netzgemeinde gestellt haben, und darauf Antworten per Mail empfangen haben, welche
evtl. auch andere Leute interessieren könnten, fassen Sie Ihre Ergebnisse
(natürlich gekürzt) zusammen und lassen Sie damit auch das Netz von
Ihrer Frage profitieren.
13. Achte auf die gesetzlichen
Regelungen!
Es ist völlig legal, kurze
Auszüge aus urheberrechtlich geschützten Werken zu informationellen
Zwecken zu posten. Was darüber hinaus geht, ist illegal. Zu den urheberrechtlich
geschützten Werken gehören unter anderem Zeitungsartikel, Liedtexte,
Programme, Bilder etc. Ebenfalls illegal ist es, mit Wort und/oder Bild zu Straftaten
aufzurufen oder zumindest Anleitungen dafür zu liefern.
Achten Sie darauf, dass
Sie mit Ihrem Artikel keine Gesetze brechen und bedenken Sie, dass sich evtl.
jeder strafbar macht, der solche Informationen auf dem eigenen Rechner hält
und anderen zugänglich macht.
14. Benutze Deinen wirklichen
Namen, kein Pseudonym!
In der Mailboxszene ist es
ab und zu üblich, seine wahre Identität hinter einem Pseudonym zu verbergen.
Pseudonyme ermöglichen es auch, Dinge zu sagen und zu tun, die man sich sonst
nicht erlauben würde. Aufgrund der negativen Erfahrungen, die sehr viele
Leute auf dem Netz mit den Trägern solcher Pseudonyme gemacht haben, und
auch aus presserechtlichen Gründen sollten Sie Ihre Artikel mit Ihrem wirklichen
Namen versehen. Wenn Sie nicht vorhaben, Ihren Namen preiszugeben, vergessen Sie
das Usenet (oder zumindest das Schreiben von Artikeln und Mails) bitte schnell
wieder.
Die Betreiber von Systemen,
die schreibenden Zugriff auf das Netz anbieten, sind angehalten, entsprechende
Massnahmen zu ergreifen (z. B. Eintragung des "Fullnames" ins GECOS-Feld der
Passwortdatei o. ä.).
15. Kommerzielles?
Ein gewisses Mass an kommerziellen
Informationen wird auf dem Netz gerne toleriert, z. B. Adressen von Firmen, die
ein bestimmtes Produkt anbieten, nachdem jemand danach gefragt hat. Als unverschämt
wird dagegen die Verbreitung von reinen Werbeinformationen angesehen, insbesondere,
wenn sie ein gewisses Volumen überschreiten.
Bedenken Sie: Dies ist
ein nichtkommerzielles Netz, und nicht jeder will Übertragungskosten für
Werbung bezahlen.
16. Keine "human gateways"
- das Netz ist keine Mailbox!
Ebenfalls wird davon abgeraten,
seine Aufgabe darin zu sehen, Artikel aus verschiedenen anderen, für jedermann
zugänglichen Netzen (um Namen zu nennen: Fido, Zerberus, BTX, etc. pp.) ins
Netz zu pumpen.
Das gilt insbesondere dann,
wenn es den Informationen am allgemein üblichen Niveau mangelt, die darin
angesprochenen Tatsachen jedem durchschnittlich intelligenten Menschen bereits
bekannt sind oder abzusehen ist, dass sich nur ein verschwindend geringer Bruchteil
der Netz-User dafür interessiert.
Bedenken Sie: Das Netz
ist keine Daten-Mülltonne.
17. "Du" oder "Sie"?
Aus der Deutschsprachigkeit
der "de.*"-Hierarchie erwächst die Frage, ob man andere Netzteilnehmer in
Artikeln und Mails "duzen" oder "siezen" sollte. Dafür gibt es keine allgemeingültige
Regel; es hat sich jedoch eingebürgert, den Anderen mit "Du" anzureden. 99,9
% der Teilnehmer in der "de.*"-Hierarchie finden das auch völlig in Ordnung
und würden es als eher absonderlich ansehen, wenn sie auf einmal gesiezt
werden würden. Vielleicht ist diese Netiquette also der letzte Artikel im
Netz, in dem Sie geSIEzt werden...
18. Zusammenfassung der
Dinge, die Sie bedenken sollten...
- Vergiss
niemals, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt
- Erst lesen,
dann denken, dann nochmal lesen, dann nochmal denken, und dann erst posten
- Fasse Dich
kurz!
- Deine Artikel
sprechen für Dich. Sei stolz auf sie!
- Nimm Dir
Zeit, wenn Du einen Artikel schreibst!
- Vernachlässige
nicht die Aufmachung Deines Artikels
- Achte auf
die "Subject:"-Zeile!
- Denke an
die Leserschaft!
- Vorsicht
mit Humor und Sarkasmus!
- Kürze
den Text, auf den Du Dich beziehst, auf das notwendige Minimum!
- Benutze
Mail, wo immer es geht!
- Gib eine
Sammlung deiner Erkenntnisse ans Netz weiter
- Achte
auf die gesetzlichen Regelungen!
- Benutze
Deinen wirklichen Namen, kein Pseudonym
- Kommerzielles?
- Keine
"human gateways" - das Netz ist keine Mailbox
- "Du" oder
"Sie"?
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